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Drei Milliarden Schwestern – Süß ist nichts Schlechtes

Es gibt Momente im Theater, in denen mein ganzer Körper vor Glück beginnt zu kribbeln. Es ist das Gefühl, an etwas Großem teilzuhaben, wenn auch nur als Teil eines Publikums.
Diese Art von Kribbeln spürte ich, als ich das große Haus der Volksbühne betrat um mir Drei Milliarden Schwestern anzusehen, in meiner kompletten Verpeiltheit hatte ich nämlich vergessen, dass diese sogenannte “Opernproduktion” mit einem Live-Orchester stattfinden würde – und ich liebe Orchester!

Drei Milliarden Schwestern ist eine Kooperation der Volksbühne mit ihrem hauseigenen Theaterkollektiv für Jugendliche P14.
Entwickelt wurde es von Bonn Park und Ben Roessler, die mir bis Dato vollkommen unbekannt waren, und soll an Drei Schwestern von Anton Tschechow angelehnt sein – was ich jetzt nicht erkennen konnte, aber so richtig kenne ich das Original auch nicht.

Von einigen Journalisten wurde es als das beste Theaterstück des Jahres 2018 gehandelt.

Jugendtheatergruppen sind immer schwierig, meiner Meinung nach. Ich war selber in solchen Gruppen und nie richtig zufrieden, wobei das bei solchen Kollektiven an richtigen, großen Theatern komplett anders ist. Von P14 habe ich bis jetzt nur Positives gehört, von Drei Milliarden Schwestern besonders. Von einigen Journalisten wurde es als das beste Theaterstück des Jahres 2018 gehandelt. Da blieb mir doch gar nichts anderes übrig, als es mir auch anzuschauen, oder?

Vier von den acht der drei Milliarden Schwestern! ©Thomas Aurin

In der Inszenierung geht es um die drei Milliarden Schwestern, was ziemlich selbsterklärend ist, wobei auf der Bühne nur acht von ihnen anwesend sind, alle zwischen 14 und 22 Jahre alt (,glaube ich).
Ein Komet rast auf die Erde zu und nur die Schwestern können ihn aufhalten. Zeit haben sie noch genug, aber in der prokrastinieren sie lieber, schlafen oder klagen ihr Leid (Niemand nimmt mich ernst, wieso ist das Leben so anstrengend, etc.).

Die Bühne bekommt nach hinten eine Schräge, an dessen höchstem Punkt ein riesiger Samowar steht – ihr wisst schon, diese Tee-Dinger? Daraus trinken die drei Milliarden Schwestern Tee, natürlich, wenn sie nicht gerade in den Klappen verschwinden, die im Boden der schrägen Bühne eingelassen sind.

Sie hängt das ganze Stück über an einem Seil und schwebt hin und wieder mal über die Bühne hinweg.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich über die wirkliche Handlung nicht wirklich viel sagen kann, aber vielleicht ist das auch Sinn der Sache. Die drei Milliarden Schwestern prokrastinieren die ganze Zeit und beschweren sich, mehr passiert aber nicht. Unterstützt wird dieses Verhalten durch diverse Gesangseinlagen auf deutsch, englisch und italienisch. Die Stimmen der Mädchen sind auf keinen Fall perfekt, aber ich könnte es nicht besser und alleine schon die Tatsache, dass sie sich auf diese riesige Bühne trauen gibt ihnen meinen größten Respekt!

Der Komet Lucia Itxaso Kühlmorgen Unzalu ©Thomas Aurin

Der Komet, welcher die Erde zerstören wird, wurde übrigens personifiziert, verkörpert von der 14-jährigen Lucia Itxaso Kühlmorgen Unzalu. Sie hängt das ganze Stück über an einem Seil und schwebt hin und wieder mal über die Bühne hinweg und singt dabei ein unglaublich süßes Lied mit Ohrwurmgarantie.

Da die Inszenierung eine P14-Produktion ist, stehen natürlich die Jugendlichen im Fokus, trotzdem sind auch zwei Erwachsene auf der Bühne:
Einmal Anne Tismer, eine Performancekünstlerin, die eine mir vollkommen überflüssig scheinende Tanzeinlage zum Besten gibt, die viel zu lang ist und irgendwie auch nichts aussagt…? Ich verstehe nicht viel von Performance und Tanz, deswegen schreibe ich auch über Theater, aber in einem Saal voller Jugendlichen und Freunde der leichten Unterhaltung wirkt das ganze etwas unnötig.
Dafür enttäuscht Dagobert, die andere erwachsene Person, nicht. Vielleicht kennt man den Sänger spätestens seit seinem Feature in Caspers Song Lang lebe der Tod, auf der Bühne macht er jedenfalls genau das, was er am Besten kann (singen).
Dabei trägt er einen weißen Latex-Trenchcoat. So cool wäre ich auch gerne.

Das Stück endet mit einem Schattenspiel, was sich im ersten Moment vielleicht echt lahm anhört, aber ich musste echt lachen. Generell – und das liest sich jetzt vielleicht etwas degradierend – sind die Übertitel im Stück das Lustigste. Der Rest des Stückes ist einfach eher süß. Und das ist auf keinen Fall etwas schlechtes, wenn alle Teilnehmenden unglaubliches Potenzial haben wie die Mitglieder von P14.

P.S. Shoutout an den Herren, der vor mir saß. Gute Idee mit dem Opernglas, das mache ich jetzt auch.

Beitragsbild: ©Thomas Aurin/2018

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